Faltbare Solaranlage im Defender: Warum wir der Sonne hinterherfahren (MPPT 75/15 & 2×100 W)
Warum überhaupt faltbare Panels – und nicht fest aufs Dach?
Die naheliegendste Lösung wäre ein festes Solarpanel auf dem Dach gewesen. Klingt aufgeräumt, einmal montiert und fertig. Für unsere Art zu reisen ist es aber genau die falsche.
Der Grund ist simpel: Wir parken den Defender fast immer im Schatten. Im Sommer will man nicht in einer Blechbüchse sitzen, die den ganzen Tag in der Sonne stand – und der schattige Platz unter dem Baum ist einfach der angenehmere. Ein festes Dachpanel würde dann genau dort mitstehen, wo keine Sonne hinkommt. Man hätte Technik auf dem Dach und trotzdem nichts im Akku.
Mit faltbaren Panels dreht sich das um: Das Auto steht im Schatten, das Panel steht in der Sonne. Die Sonne ist ja da – nur eben ein Stück weiter weg vom Fahrzeug. Genau dorthin legen wir das Panel, mit ein paar Metern Kabel dazwischen. Kein Problem.
Und der zweite Punkt: Wir müssen während der Fahrt gar nicht über Solar laden. Das übernimmt unterwegs der Ladebooster von der Lichtmaschine. Solar hat bei uns also nur einen Job – laden, wenn das Auto steht. Und wenn das Auto steht, steht es im Schatten. Damit war die Entscheidung für faltbar eigentlich schon gefallen.
Die Teile im Überblick
- Solarladeregler: Victron MPPT 75/15, per Bluetooth auslesbar
- 2× faltbare Solarmodule, je 100 W
- Kabel mit USB-C Buchse
- y-Splitter mit der passendenAufnahme für die Solarladekabel
- angeschlossen an unsere Lithium-Batterie an Bord
Bewusst überschaubar. Die spannendere Frage ist nicht, was verbaut ist, sondern wie sich das im Alltag schlägt.
Der MPPT-Regler mit Bluetooth: mehr als nur Spielerei
Ein MPPT-Regler holt aus dem Panel spürbar mehr heraus als ein einfacher PWM-Regler – gerade dann, wenn die Bedingungen nicht perfekt sind. Für mich fast genauso wichtig ist aber das Bluetooth: Über die App sehe ich in Echtzeit, wie viele Watt gerade wirklich ankommen.
Das klingt nach Spielerei, ist im Alltag aber richtig praktisch. Ich lege das Panel hin, schaue aufs Handy und sehe sofort, ob die Ausrichtung passt – oder ob eine Ecke im Schatten liegt und die Leistung einbricht. Man richtet das Panel also nicht nach Gefühl aus, sondern nach der Zahl, die zählt.
So nutzen wir die Panels im Alltag
Meistens legen wir nur ein Panel raus. Für den Regelfall reicht das gut aus – wir sind kein stromhungriger Haushalt auf Rädern. Das zweite Panel ist die Reserve für längere Standzeiten oder trübere Tage. Da ich viel am Laptop bin benötigen wir mit Starlink und Kühlbox auch gerne mal 100 W. Gerade im Norden Europas mit wenig Sonnenstunden kann es dann auch mal knapp mit der Solarversorgung werden.
Der eigentliche Vorteil ist die Freiheit: Wandert die Sonne, wandert das Panel mit. Wir sind nicht daran gebunden, wo das Auto steht.
Angeschlossen wird das Ganze über die mitgelieferten Kabel. Da wir zwei Panele haben, mussten wir einen y-Splitter dazwischenbringen, welcher über einen KFZ 12V Stecker jederzeit vom Solarladeregler getrennt werden kann. Die Kabel werden bei offener Tür aus dem Auto gelegt. Das ist soweit kein Problem, da wir sowieso nur Laden wenn wir in der Nähe des Autos sind. An dem Kabel ist zudem noch eine USB-C Buchse verbaut. Das heißt, dass wir auch mit dem Faltpanel z.B. an den Strand gehen könnten um dort Handy oder Powerbank zu laden. Das Faltpanel besitz eine Anzeige, wann es passend ausgerichtet ist. Trifft der Schatten genau in der Mitte der Zielscheibe, steht das Panel richtig.
Was die Panels leisten – und wo sie schwächeln
Ehrlich bleiben gehört bei sowas dazu, also die Zahlen:
Der beste Wert bisher lag bei 94 W aus einem einzelnen 100-W-Panel. Das ist nah am Nennwert und ein richtig guter Output für ein Faltmodul – allerdings bei passender Ausrichtung und klarer Sonne.
Die Kehrseite: Bei Halbschatten bricht die Leistung stark ein. Es reicht schon der Schatten eines Astes oder eines Fahrzeugteils über einer Ecke des Panels, und der Ertrag fällt überproportional ab – nicht ein bisschen, sondern deutlich. Genau hier zahlt sich das Bluetooth wieder aus: Man sieht den Einbruch sofort und rückt das Panel ein Stück weiter in die volle Sonne. Die Lehre daraus ist einfach: volle Sonne, keine Teilverschattung – lieber ein paar Meter mehr Kabel als eine halb beschattete Fläche.
Verstaut wird unterm Dachzelt
Transportiert werden die beiden Faltpanels unter unserem Dachzelt. Da liegen sie flach, sind aus dem Wohnraum raus und beim Aufbau am Stellplatz schnell zur Hand.
Warum wir kein Dachsolar vermissen
Eigentlich parkt man wenn möglich im Schatten. Zudem laden wir die Batterie zum Großteil ohnehin über den Ladebooster während der Fahrt – deshalb ergibt festes Solar auf dem Dach für uns keinen Sinn. Die Panele würden genau dann in der Sonne fehlen, wenn wir irgendwo stehen, und genau dann mitfahren, wenn wir es über den Ladebooster nicht brauchen. Faltbar passt schlicht besser zu der Art, wie wir unterwegs sind.
Fazit: Was sich bewährt hat
Die Entscheidung für faltbare Panels war für unseren Reisestil goldrichtig. Der Kombi aus Schattenparken + Ladebooster für die Fahrt lässt Solar genau das machen, was es am besten kann: den Akku füllen, während wir stehen – nur eben dort, wo die Sonne steht.
Der Victron MPPT 75/15 mit Bluetooth ist dabei mehr als Komfort: Er hilft, das Panel richtig auszurichten und die eine echte Schwäche im Griff zu behalten – Halbschatten kostet unverhältnismäßig viel Leistung. Wer das einplant und das Panel konsequent in die volle Sonne legt, kommt mit einem einzelnen 100-W-Modul erstaunlich weit.
Wie hast du Solar an deinem Camper gelöst – fest aufs Dach oder faltbar zum Hinlegen? Und ziehst du im Sommer auch den Schattenplatz vor? Schreib es gern in die Kommentare.
Weiterlesen: Wie bei uns Wasser an Bord kommt, zeige ich in Wasserversorgung im Defender-Camper. Warm und trocken bleibt der Innenraum dank Dämmung mit Armaflex und Standheizung im Offroader.
Nächster Post im Ausbau-Strang: Strom im Camper – Zweitbatterie, Ladebooster und Sicherungen. Dort geht es dann auch um Verkabelung, Absicherung und die Batterie, die hinter dieser Solaranlage steckt.
