Camper-Innenausbau im Defender: erst im CAD, dann in Holz
Die meisten Camper-Ausbauten entstehen mit Zollstock, Bleistift und viel Bauchgefühl. Unserer ist einen anderen Weg gegangen: Er stand komplett in SolidWorks, bevor die erste Platte zugeschnitten wurde. Das komplette CAD-Modell existiert – inklusive Farben, mit allen Modulen an ihrem Platz. Für jemanden, der aus dem Maschinenbau und der CAD-Konstruktion kommt, ist das der naheliegende Weg. Und trotzdem – so viel sei vorweggenommen – sah die Realität am Ende an vielen Stellen anders aus als der Bildschirm. Genau das ist die interessante Geschichte.
Warum überhaupt am Rechner planen
Der Innenraum eines Defender ist klein. Sehr klein. Wenn Bett, Küche, Stauraum und Wasser auf so engem Raum unterkommen sollen, ist jeder Zentimeter verplant, und ein Denkfehler kostet später eine ganze Platte. Am Rechner kann man Module verschieben, Höhen durchspielen und Kollisionen erkennen, bevor teures Multiplex zu Sägespänen wird. Das CAD-Modell war für uns die Landkarte, an der sich alles orientiert hat – und der ehrliche Nutzen liegt weniger im perfekten Endergebnis als darin, die groben Fehler vorher zu machen, wo sie nichts kosten.
Was alles reinmusste
Der Anspruch war, das volle Programm auf minimaler Fläche unterzubringen: Liegefläche, Küche, Stauraum und Wasserversorgung. Nichts davon war optional, und nichts davon durfte den Rest blockieren. Aus diesem Puzzle ist die ganze Geometrie des Ausbaus entstanden. Die Schrank auf der linken Seite bietet ein großes Fach für Schuhe und kleinere Fächer für Waschzeug und z.B. Bücher. Unter der Matraze verstecken sich mehrere große Fächer für Jacken, Wagenheber und diverse Gegenstände welche regelmäßig benötigt werden. Unter der Küchenzeile ist zudem genügen Platz für alle Lebensmittel, unsere Kanne, sowie Töpfe und Gaskartusche. Die Küchenfläche haben wir dabei selbst mit entpsrechender Folie bezogen
Die Kühlbox gibt die Höhe vor
Wenn man einen Ausbau plant, gibt es immer ein Bauteil, das den Ton angibt – bei uns war das die Kühlbox. Sie war der Ausgangspunkt für die Höhe der gesamten Ebene: Erst stand fest, wie hoch die Kühlbox baut und wie sie zugänglich bleiben muss, und danach hat sich alles andere gerichtet. So ein „Leitmaß” früh festzulegen, nimmt einem später hundert kleine Entscheidungen ab. Die Kühlbox kann zudem innerhalb des Fahrzeugs geöffnet oder über Schienen aus dem Auto gezogen werden. Bei gutem Wetter und zum Einräumen bietet sich das herausziehen natürlich an. Falls aber während der Fahrt kalte Getränke gewünscht werden, ist der Zugang immernoch möglich. Die Kühlbox steht auch nur lose auf dem ausziehbaren Brett. Das bedeutet, dass man jederzeit die ganze Box auch z.B. mit zum Strand nehmen könnte.
Material und Gewicht: bewusst 12 mm
Beim Material sind wir konsequent geblieben: 12 mm Multiplex für fast alles, nur die Liegefläche haben wir teilweise in 18 mm ausgeführt, weil sie das Gewicht von zwei Personen sicher tragen muss. Viele Ausbauer greifen pauschal zu 15 oder 18 mm – wir haben uns bewusst dagegen entschieden. Beim Defender ist die Zuladung knapp, und jedes Kilo im Ausbau fehlt später bei Wasser, Ausrüstung und Reisegepäck. Unsere Erfahrung nach einiger Zeit: 12 mm reicht für die allermeisten Flächen völlig aus, wenn die Konstruktion und die Befestigung stimmen. Leichtbau ist hier kein Verzicht, sondern eine Entscheidung für mehr Reisereichweite.
Alles verschraubt – und unsichtbar
Verbunden ist der Ausbau durchgehend mit Schrauben, und zwar mit verdeckten Bohrlöchern. Das hat zwei Gründe: Es sieht sauber aus, ohne dass überall Schraubenköpfe hervorschauen, und es bleibt demontierbar. Ein Camper-Ausbau ist nie endgültig fertig – man merkt erst unterwegs, was fehlt oder besser sein könnte. Wer verschraubt statt verklebt, kann in zwei Jahren ein Modul lösen und verbessern, statt es herauszureißen (→ Unterkonstruktion). Die Fächer unter der Matrize liegen nur auf und können rausgehoben werden. Die Klappen sind mit einfachen Camperverschlüssen befestigt. Das Gewürzregal haben wir aus einzelnen Gummistreben umgesetzt.
Schlaffläche
Es gibt immerwieder Orte und Situationen in welchen man nicht unbedingt in einem unsicheren Dachzelt schlafen möchte. Z.B. während eines starken Sturms oder in einer Stadt. Für diesen Fall haben wir die Möglichkeit eine Schlaffläche herzurichten. Dazu sind unter der Matraze gitter versteckt, welche sich über den schmalen Gang legen lassen. Die Rückenlehne hat hier genau die Breite der neu entstandenen Fläche und bildet damit eine einheitliche Schlaffläche für zwei Personen.
Wo Plan und Wirklichkeit auseinandergehen
Und jetzt der ehrlichste Teil, der in kaum einem Ausbau-Beitrag steht: Ein Auto ist nicht symmetrisch. Man kann alles ausmessen, sauber konstruieren und trotzdem feststellen, dass die linke Seite anders ist als die rechte, dass ein Blech leicht wellig ist oder ein Winkel eben nicht die geraden 90 Grad hat, die das CAD-Modell annimmt. Die Realität weicht ab – immer. Das Ergebnis war viel Nacharbeit: Teile anpassen, nachschneiden, Kanten brechen, hier ein paar Millimeter wegnehmen, dort unterfüttern. Auch während des Zusammenbaus mussten wir Details ändern, weil sich erst beim echten Einbau zeigte, wie eng es wirklich zugeht.
Das ist keine Kritik an der CAD-Planung, im Gegenteil – ohne das Modell wären die Abweichungen viel teurer geworden. Aber wer glaubt, ein sauberer Plan erspare das Anpassen am Objekt, wird beim alten Defender eines Besseren belehrt. Rechne die Nacharbeit fest ein.
Fazit
Erst in SolidWorks, dann in Holz – und dazwischen jede Menge Feile, Säge und Schleifpapier. Das CAD-Modell hat uns die grobe Struktur, die Höhen und das Gefühl gegeben, dass alles zusammenpasst, bevor die erste Platte fiel. Den Rest hat das Auto selbst diktiert. Herausgekommen ist ein leichter, kompakter Ausbau, in dem alles seinen Platz hat – auf engstem Raum, mit Blick aufs Gewicht, und jederzeit veränderbar.
