Wasserversorgung im Defender-Camper: 64-l-Tank, Pumpe & Dusche selbst einbauen

Watertank and water refilling from the side door.

Warum überhaupt ein festes Wassersystem?

Mit dem Kanister im Kofferraum kommt man zunächst erstaunlich weit – zumindest, bis man zum dritten Mal am Tag alles ausräumt, um an die Zahnbürste zu kommen. Fürs Reisen wollten wir das Wasser deshalb fest im Fahrzeug haben: griffbereit zum Kochen, Händewaschen und für eine schnelle Dusche, ohne jedes Mal umzubauen.

Herausgekommen ist also ein bewusst einfaches System: ein 64‑l‑Tank tief im Fahrzeug, eine 12‑V‑Pumpe, ein Spülbecken mit herausziehbarer Brause – und mit einem Handgriff wird daraus eine Außendusche. Ausgelegt ist alles als reines Brauchwasser‑System; das Trinkwasser läuft nämlich getrennt (dazu unten mehr).

In diesem Post zeige ich dir den Aufbau, die Teile und vor allem die Stellen, an denen es gehakt hat.

Die Ausgangslage: Wo kommt der Tank hin?

Die Platzwahl war für uns die wichtigste Entscheidung – und sie ist schnell erklärt:

  • Niedriger Schwerpunkt. Der Tank sitzt in der Vertiefung im Fußraum vor dem Beifahrersitz, also so tief wie es im Fahrzeug nur geht. Immerhin sind 64 Liter auch 64 kg – dieses Gewicht will man unten haben, nicht auf Kopfhöhe.
  • Zentral im Fahrzeug. Mittig statt an einer Außenkante gelagert, hält das Gewicht näher an der Fahrzeugmitte und beeinflusst die Balance im Gelände dadurch kaum.
  • Gut zugänglich. Von der Seite kommt man problemlos an den Tank – so bleibt das Befüllen, Kontrollieren und Reinigen unkompliziert.
  • Passt einfach. Der Kunststofftank sitzt nämlich fast maßgeschneidert in der Vertiefung vor den Sitzen. Somit bleiben weniger Verschnitt und weniger Halterungsbau.

 

Placement of the water tank in the footwell of the backseat passengers

Die Teile im Überblick

  • Kunststoff-Wassertank, 64 l, im Beifahrer-Fußraum
  • Wasserpumpe, 12 V, 19 l/min, 1,1 bar
  • Wasserschlauch vom Tank zum Spülbecken
  • Spülbecken (Edelstahl), mit Sikaflex und Schrauben auf dem Holz verklebt/verschraubt
  • Brause mit handelsüblichem Schlauch-Schnellstecksystem
  • Revisionsöffnung in einem der Fächer zur Wasserstandskontrolle
  • Einfüllstutzen mit Steckaufsatz an der Seitentür hinter dem Fahrersitz

Hinweis: Die Pumpe mit 19 l/min und 1,1 bar liefert an der Brause ordentlich Druck – fürs Spülbecken eher großzügig, für die Dusche genau richtig.

Schritt 1: Tank setzen und Schlauch verlegen

Zuerst kommt der Tank in die Fußraum‑Vertiefung, anschließend zieht die Pumpe das Wasser über den Schlauch zum Spülbecken. Achte beim Verlegen darauf, dass der Schlauch keine Knickstellen hat und die Pumpe nach dem ersten Befüllen sauber entlüftet ist – sonst zieht sie nämlich nur Luft.


Water supply and tank venting hose
Water outlet under the vehicle
Water outlet under the sink

Schritt 2: Spülbecken befestigen

Das Becken sitzt auf der Holzplatte und ist mit Sikaflex plus Schrauben fixiert. Diese Kombination ist bewusst gewählt: Die Schrauben halten mechanisch, während das Sikaflex die Kante abdichtet, damit kein Spritzwasser unter das Becken ins Holz läuft. Genau hier entstehen bei einem Holzunterbau sonst schleichend Feuchteschäden. Zusätzlich sitzt das Spülbecken unter dem Holz, sodass wir einen Deckel für eine durchgehende Arbeitsplatte draufmachen können.


extended hand shower for outdoor showering
Complete kitchen unit with enclosed sink

Schritt 3: Das Loch für die Brause – die kniffligste Stelle

Ehrlich gesagt war das der schwierigste Teil des ganzen Umbaus. Die Brause soll nämlich in einem 55°‑Winkel sitzen, damit man sie gut greifen und herausziehen kann. Dieses schräge Loch habe ich anschließend mit Forstnerbohrern gebohrt – allerdings ist ein sauberer, gerader Schnitt im 55°‑Winkel deutlich anspruchsvoller, als es klingt. Denn der Bohrer will beim Ansetzen ständig wegwandern.

Was geholfen hat: langsam ansetzen, zuerst eine flache Führung schaffen und dann Stück für Stück auf den Winkel gehen. Wer die Möglichkeit hat, übt das deshalb vorher an einem Reststück Holz.

 


Kitchen spray hose for rinsing
extended hand shower for outdoor showering

4. Halterung für die Brause – mehrere Anläufe

Auch die Halterung für die Brause musste ich mehrfach überarbeiten. Der Knackpunkt: Sie muss die Brause sicher halten, sich aber trotzdem zum Herausziehen leicht lösen lassen. Zwischen „fällt von allein raus“ und „bekommt man nur mit zwei Händen los“ ist der brauchbare Bereich nämlich schmaler, als man denkt. Plane deshalb von Anfang an ein, dass du zwei, drei Versionen baust.


5. Revisionsöffnung für die Kontrolle

In einem der Fächer sitzt eine Revisionsöffnung. Darüber sehe ich den Wasserstand im Tank und komme zum Desinfizieren an das Innere – und zwar, ohne den Tank ausbauen zu müssen. Das ist ein kleiner Aufwand beim Einbau, aber großer Komfort im Alltag. Außerdem hatten wir schon öfter Situationen, in denen wir mangels anderer Anschlussmöglichkeiten unseren Wasserkanister an diversen Quellen direkt in die Revisionsöffnung gefüllt haben.


Inspection opening for cleaning the water tank

Aus dem Spülbecken wird eine Dusche

Der eigentliche Clou steckt im Schnellstecksystem an der Brause. Weil es handelsübliche Steckkupplungen sind, kann ich die Brause nämlich vom kurzen Schlauch trennen und einen Verlängerungsschlauch von knapp 1,5 m anstecken.

Diese Verlängerung führe ich anschließend durch unser Klappfenster nach draußen und hänge die Dusche außen am Dachgatter ein. Damit steht man zum Duschen neben dem Fahrzeug, das Wasser läuft draußen ab, und innen bleibt somit alles trocken. Für eine schnelle Dusche reicht das gut – Reiseluxus mit Bordmitteln, nicht Wellness, aber genau das braucht man unterwegs.


Kitchen spray hose for rinsing
extended hand shower for outdoor showering (second picture)

Trinkwasser läuft getrennt

Wichtig für alle, die das nachbauen: Der 64‑l‑Tank ist reines Brauchwasser – also Abwaschen, Händewaschen und Duschen. Das Trinkwasser führen wir hingegen bewusst getrennt in einem eigenen Kanister an der Seitenwand des Fahrzeugs. So bleibt sauberes Trinkwasser sauber, und außerdem kann ich das Brauchwassersystem befüllen und reinigen, ohne mir Gedanken um die Trinkwasserhygiene machen zu müssen.


Befüllen und Reinigen

  • Befüllen: über einen Einfüllstutzen mit Steckaufsatz an der Seitentür hinter dem Fahrersitz – kein Türöffnen, kein Kanisterheben über Kopf.
  • Reinigen/Desinfizieren: über die Revisionsöffnung. Gerade bei Brauchwasser, das mal länger steht, gehört das regelmäßig auf den Plan, damit sich nichts festsetzt.

Water filler neck on the door behind the driver

Fazit: Was ich wieder so machen würde – und was nicht

Der niedrige, zentrale Tankeinbau war goldrichtig: Der Schwerpunkt bleibt unten, und im Alltag komme ich überall gut ran. Ebenso würde ich die Trennung von Brauch‑ und Trinkwasser jederzeit wieder so machen.

Nacharbeit gekostet haben allerdings die beiden „handwerklichen“ Stellen: das schräge 55°‑Loch und die Brausenhalterung. Wenn du das nachbaust, plane hier deshalb bewusst Zeit und ein, zwei Testdurchläufe an Restholz ein – dann sparst du dir nämlich meinen Frust.

Wie hast du dein Wasser im Camper gelöst? Fester Tank oder Kanister, getrenntes Trinkwasser oder alles aus einem? Schreib es gern in die Kommentare.


Weiterlesen: Wie der Innenraum überhaupt trocken und warm bleibt, liest du in Dämmung mit Armaflex einbauen und Standheizung im Offroader einbauen. Den passenden Unterbau zeige ich im selbstgebauten Ablagetisch für den Camper.

Nächster Post im Ausbau-Strang: Strom im Camper – Zweitbatterie, Solar und Ladebooster. Denn eine 12-V-Pumpe ist nur so gut wie die Batterie dahinter.