Defender Schalldämmung mit Alubutyl: warum weniger mehr ist
Es gibt eine Geschwindigkeit, ab der ein alter Defender aufhört, ein Auto zu sein, und anfängt, eine Trommel zu sein. Bei Eddie liegt diese Grenze bei ungefähr 100 km/h. Darüber wird es im Innenraum so laut, dass ein normales Gespräch zur Verhandlung wird. Man wiederholt also jeden zweiten Satz. Drei Dinge kommen dabei zusammen. Zunächst die dünnen, großen Blechflächen, die bei jeder Anregung mitschwingen. Dann die Straßengeräusche, die ungefiltert durchkommen. Und schließlich unsere groben Offroad-Reifen, die auf Asphalt einen eigenen, satten Lärmteppich abrollen.
Wärmedämmung allein löst das nicht. Armaflex hält die Temperatur, aber gegen das Dröhnen und Vibrieren des blanken Blechs braucht es etwas anderes: Masse. Deshalb kam bei uns zuerst die Schalldämmung, bevor überhaupt an Isolierung oder Ausbau zu denken war.
Schalldämmung ist nicht Wärmedämmung
Das ist der Punkt, an dem die meisten durcheinanderkommen. Deshalb gleich am Anfang klargestellt: Schalldämmung und Wärmedämmung sind zwei verschiedene Baustellen mit zwei verschiedenen Materialien. Alubutyl beruhigt das Blech, damit es nicht mehr als Lautsprecher arbeitet. Armaflex dämmt dagegen die Temperatur und verhindert Kondens. Das eine ersetzt das andere also nicht – sie arbeiten übereinander. Bei uns liegt die Alubutyl-Schicht direkt auf dem Blech. Das Armaflex kommt später obendrauf (→ Isolierung).
Was wir verwendet haben
Wir haben Alubutyl-Dämmung von der Firma Reckhorn verbaut, eine Rolle hat für Eddie gereicht. Dazu kommt nicht viel: ein Andrückroller, etwas zum Entfetten und ein Cuttermesser für den Zuschnitt. Der Roller bringt die Matten blasenfrei und mit vollem Kontakt auf. Und das Entfetten sorgt dafür, dass das Zeug auf dem Blech wirklich hält. Kein Hexenwerk – aber die Vorbereitung entscheidet. Denn auf fettigem oder staubigem Blech hält keine Selbstklebematte dauerhaft. Außerdem empfehlen wir Handschuhe, da die Schnittkanten der Schalldämmung sehr scharf sein können.
Wo wir gedämmt haben
Behandelt wurden die nackten Blechflächen im ganzen Auto – dort, wo später ohnehin das Armaflex drüberkommt. Dazu gehören die Trittbleche im Fahrerbereich, die Radkästen, die Hecktür, die Seitenwände und die Bodenbleche. Also überall dort, wo eine große, freie Blechfläche schwingen kann.
Der wichtigste Trick: nicht alles zukleben
Und jetzt der Punkt, der die meisten überrascht und der uns bares Geld und Gewicht gespart hat. Denn Alubutyl ist nicht dafür gedacht, das ganze Auto flächendeckend zuzupflastern. Die Wirkung entsteht durch die zusätzliche Masse, die die Eigenfrequenz des Blechs verschiebt. Und dafür reicht es, etwa 40 % der Fläche zu bekleben. Man setzt die Matten dorthin, wo das Blech am größten und freiesten schwingt – meist in die Mitte der Flächen. Ränder und schmale Streifen lässt man dagegen frei.
Das komplette Auto damit zuzukleben bringt akustisch kaum mehr, auch wenn man das in vielen Ausbauvideos immer wieder sieht. Es kostet ein Vielfaches an Material und schleppt unnötig Gewicht mit sich herum. Und Gewicht ist beim Defender bekanntlich keine Mangelware (→ Konstruktion Innenausbau). Wer dir erzählt, du müsstest jeden Quadratzentimeter bedecken, verkauft dir entweder mehr Matten als nötig. Oder er hat es schlicht nie selbst ausprobiert.
Das Ergebnis
Wir haben uns nach der ersten Probefahrt wirklich gefreut. Der Unterschied ist wie Tag und Nacht. Das hohle, blecherne Dröhnen ist weg. Das Fahrgeräusch wird zu einem satteren, tieferen Grundton. Und – das ist der beste Gradmesser – man unterhält sich mittlerweile auch bei höheren Geschwindigkeiten wieder normal. Die Stimme muss dafür niemand mehr heben. Jedes einzelne aufgeklebte Stück war deshalb den Aufwand wert. Das heißt aber nicht, dass wir plötzlich in einem Luxusauto sitzen. Nach 7 Stunden Fahrzeit auf der Autobahn freut man sich dennoch über das Aussteigen und die angenehme Ruhe.
Fazit
Schalldämmung ist einer der Umbauten mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu spürbarem Ergebnis. Eine Rolle Alubutyl, ein Roller, ein Nachmittag Arbeit. Und danach ein Auto, in dem man ab 100 km/h wieder miteinander reden kann. Nur bitte: klug bekleben, nicht viel. Danach kommt die Wärmedämmung (→ Isolierung).
